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M u s i k

Southern Rock

Meine über 700 LPs zählende Popsammlung unterteile ich in

  • Southern Rock von Allman Brothers Band bis ZZ Top
  • Country Rock + West Coast + Folkmusic von Eric Andersen bis Warren Zevon
  • Rock + Hardrock von Ace bis Yesterday & Today (Y&T)

  • Ist Dir Southern Rock ein Begriff? Wenn nicht und Du möchtest es wissen, dann lies weiter. Und wenn Du so wie ich, diese Musik liebst, dann interessiert Dich ganz sicher, was ich dazu sage.

    Man nehme Blues, Rock/Hardrock, Country und Folk, zwei (oder sogar drei) E-Gitarren, ein- oder zweimal Drums und noch extra Percussion, einen Baß, Steel Guitar, Akustikgitarre, Dobro, Banjo, Fiddle, manchmal etwas Orgel, mehrstimmigen Gesang, das Lebensgefühl der Südstaaten (siehe Jack Daniels-Werbung) bzw. die Weite des Landes (z.B. Texas) und die Wahrscheinlichkeit, daß dabei Südstaatenrock herauskommt, ist ziemlich groß.

    Veto: Was ist mit ZZ Top, die sind nur zu Dritt? Tja, so geht es auch, wenn man Bluesrock spielt. Und nicht jeder Gitarrist ist ein Billy Gibbons (B.G. von ZZ Top wurde viele Jahre von US-Musikzeitschriften als das Gitarrengenie schlechthin bezeichnet, vor allem was den Blues angeht) und viele Bands mögen die Mischung aus Akustik- und E-Gitarre, die den swingenden, schwebenden Zweivierteltakt des Countryrocks unterstreicht.

    Apropos Gitarre: Southern Rock ist Gitarrenrock schlechthin, ohne geht gar nichts. Darum auch bis zu drei Gitarren, zweistimmige Gitarrensoli, Soli im Dialog. Hier nun ein paar Vertreter der unterschiedlichen Stile:

  • Allman Bothers Band
  • Atlanta Rythm Section
  • Dickey Betts & Great Southern
  • Little Feat
  • Lynyrd Skynyrd
  • Marshall Tucker Band
  • Molly Hatchet
  • Outlaws
  • Henry Paul Band
  • Point Blank
  • Rossington Collins Band
  • Stillwater
  • 38th Special
  • Van Zant
  • ZZ Top
    In Deutschland bekannt wurden ZZ Top und Little Feat wegen ihrer Rockpalastauftritte, Lynyrd Skynyrd mit Sweet Home Alabama und den tragischen Todesfällen, die Allmans auch wegen dem tödlichen Unfall von Duane Allman mit seiner Harley.
    Die Allman Brothers Band war die erste Band, die den Southern Blues Rock bei uns bekannt machte und für mich die erste Band mit zwei Drummern. Ihr Livealbum "Live At Filemore East" ist heute ein Klassiker, was endlos lange, gute Gitarrensoli angeht und gehört zum Standardrepertoire der CD-Läden. Für Little Feat, Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet gilt das selbe (Standard), d. h. ihre CDs sind im Katalog einer deutschen Vertriebsfirma.

    Anders steht es z.B. mit ARS (Atlanta Rythm Section), deren Scheiben 1 bis 10 über all die Jahre nur über den Import der Deutschen Grammophon zu beziehen waren. Erst die 11. und 12. waren bei CBS auch im deutschen Programm. Das ist es aber auch schon gewesen. Die Folgealben sind wiederum nur über den Import zu haben, was zu dem stolzen Preis von 36.95 Mark für die 99-er CD Eufaula führt. Aber ich habe es nicht geschafft, die CD zurückzustellen. Sie ist an meiner Hand kleben geblieben und eh' ich mich versah', hatte ich auch schon bezahlt. Und habe es nicht bereut. Mein absouter Favorit ist die Nummer "How can You do this?", eine melodische Ballade, die die Gefühle eines Ehemannes beschreibt, den seine Frau verläßt, weil sie frei sein will. Ich interpretiere den Text dahingehend, daß das Unvermögen des Mannes die Frau zu verstehen, die Message des Songs ist. Ronnie Hammond singt so schön, dass ich beinahe mitleide. Auch die übrigen Nummern sind getragen und melodiös. I like it!
    Der Erstling "Atlanta Rythm Section" ist übrigens von 1972, die letzte in meiner Sammlung von 1999 (Eufaula). Bei ARS gibt es sehr starke Bluesnummern, wie überhaupt der Blues viele ihrer Stücke beeinflußt hat. Auch schnelle Songs haben immer noch einen relativ verhaltenen Rythmus (wer kann sich die Leute aus der Jack Daniels-Werbung beim 100 Meter-Sprint vorstellen?), fast als zäh zu bezeichnen, der aber ins Blut geht. Auf ihrem Live-Album (CD) "Are You Ready" hört man den für diese Band typischen dunklen Gitarrensound, gute Soli von beiden Gitarristen und die tolle Stimme Ronnie Hammonds. Auf dem LP-Cover sieht man ein bis auf den letzten Platz gefülltes Stadion - sind es 50000 oder 100000? Warum dies so war, zeigt die Musik auf diesem Album. Wenn bei uns auch nicht bekannt, gehört die Band in ihren Breiten zu den Livebands.
    Auf der Homepage http://www.atlantarhythmsection.com gibt es noch mehr Information.

    Eine weitere meiner Lieblingsbands sind die Outlaws. Sie wurden von den deutschen Vertriebsfirmen nicht ganz so stiefmütterlich behandelt. Nur die Hälfte der 10 LPs, die ich von ihnen besitze, sind US-Importe, die anderen deutsche (EMI) bzw. niederländische Pressungen (CBS). Ihre 1. ("Outlaws") stammt von 1975, die 10. ("Diablo Canyon") von 1994.
    Während ARS schwerere, bluesige Rythmen bevorzugt, sind die Outlaws Freunde des leichteren, vom Country beeinflußten Stils, der pure Lebensfreude ausdrückt. Drei Leadgitarren prägen ihren Stil; sehr schön ist dies auf dem Cover des Livealbums 'Bring it back alive', auf dem alle drei (neben den Ur-Outlaws Hughie Thomasson und Billy Jones spielt hier Freddie Salem, weil der andere Ur-Outlaw Henry Paul zwischenzeitlich seine eigene Band hatte und erst zum 9. Album zurückkam) zu sehen und bei den Songs zu hören. U. a. auch der klare Klangunterschied zwischen den beiden Gibson Les Pauls und der Fender Stratocaster, wenn sie sich bei den Soli abwechseln, gegeneinander spielen.

    Die Musik der Henry Paul Band ist der der Outlaws ziemlich nahe. Tatsächlich ist der Unterschied so gering, daß man fast sagen könnte: Wegen musikalischer Differenzen hat Henry Paul seine eigene Band nicht gegründet. Bei beiden Bands ändert sich der Stil etwas von Album zu Album. Einmal ist die Musik rockiger, dann gibt es wieder etwas mehr Country, dann wieder mehr Bluesrythmen, dann mehr Balladen, beim nächsten rasen die Nummern im schnellsten Boogie. Bei beiden gibt es die zweistimmigen Gitarrensoli, den mehrstimmigen Gesang. Den Fans dieser Musikrichtung kann es nur recht sein, wenn es viele Alben dieser Qualität gibt.

    38th Special war von Anfang an rockiger und über die Jahre hat sich der Stil mehr dem Hardrock zugewandt und viele Läden ordnen sie auch dort ein. Wohl weil dort die Wurzeln dieser Band nicht bekannt sind? Auch ihre ersten beiden LPs waren nur im Import zu haben und fanden bei uns wenig Verbreitung, waren immer Geheimtip. Die 1. gleichen Namens stammt aus dem Jahr 1977, die letzte in meiner Sammlung (die 12.) von 1997. Zwei Gitarren, zwei Drums, Baß, Lead Vocal vom 1. bis zum 7. Album, ab dem 8. 1 Drummer, dafür ein Keyboarder dazu, garantieren tollen Gitarrenrock mit mitreißendem Rythmus. Bei den Rockfans kommt diese Band sicherlich am Besten an, weil der Einfluß des Country nur noch wenig zu hören ist.
    Ein paar Worte zum '97er Ablum "Resolution", erschienen bei SPV GmbH, P.O. Box 721147, 30531 Hannover:
    38 Special ist zu viert: Don Barnes (Vocals, Guitars, Mandolin, Harmonica, Slide), Danny Chauncey (Guitars, Keyboards, Fretless Bass), Larry Junstrom (Bass), Donnie Van Zant (Vocals).
    Additional Musicians sind: Greg Morrow (Drums), Bobby Capps (Piano, Background Vocals), Jim Peterik (Background Vocals) und Bob Beckwith (Background Vocals).
    Vom Sound her ist kein Unterschied zum vorhergehenden Album "Bone against Steel" zu hören. Es ist eine gute Mischung aus schnelleren Stücken, Mittelschwerem und Balladen. Beim absoluter Lieblingstitel ist "Changed By Love", eine wunderschöne Ballade. Dann kommt "Find My Way Back", das im typischen Bluesrock-Rhythmus daherkommt. Der Rest ist bis auf "Déjà Voodoo" nicht weniger gut. Der Opener "Fade To Blue" hat gleich den richtigen Schwung und ist zu Recht das 1. Stück.
    Wer die CD im Laden sieht und die Gelegenheit hat - unbedingt reinhören, es lohnt sich!
    38 Special im WWW:
    http://www.38special.com und http://38special.home.ml.org

    Und da waren da noch Point Blank, eines der rauhesten Gewächse, die mir je begegnet sind. Die einzige Information, aus welchem Teil des Südens sie stammen, ist die Adresse des Fanclubs auf Album Nummer 5, "American Express": Houston, Texas.
    Zwei Namen sind auf allen sechs Alben, die ich besitze, zu finden: Bill Ham und Lone Wolf Productions. "Ah ja" wird jetzt so mancher sagen.
    Auf diesen Alben sind zwei absolut heiße Gitarren zu hören: Rusty Burns und Kim Davis. Auf dem 4. Album "The Hard Way" sind beide mit Les Pauls zu sehen und so klingt es auch. Hier gibt es auch drei Live-Tracks: "Highway Star" (!!!), "Wrong to cry" und "Thank You Mama", auf denen meine obige Feststellung untermauert wird. (Ich hätte gerne R. Blackmores Gesicht gesehen, als er zum ersten Mal diesen Track hörte.) Hier wird Solospiel der absoluten Präzision dargeboten. "Wrong to cry" ist dann eine Blues-Nummer, während die beiden bei "Thank You Mama" so richtig die Sau' rauslassen. Schnell, schneller, am schnellsten.
    Es ist auch der Song, in dem die Band vorgestellt wird. Es ist der letzte auf der LP und leider auch der letzte, auf dem die Stimme von John O'Daniel zu hören und fühlen ist. Ja, fühlen: Ich werde heiser vom Zuhören. Eine Bluesröhre ersten Ranges.
    Nach seinem Weggang ändert sich deutlich der Stil der Band. Bubba Keith, der Neue, singt nicht schlecht, aber mit Jonny O', wie er bei "Thank You Mama" vorgestellt wird, kann er sich nicht messen. Die Stimme ist mir zu hell, hat zu wenig Volumen. Die Musik wird nun etwas konventioneller, auch wenn immer noch bei der Mehrzahl der Songs der Blues da ist. Ein paar Refrains sind zu glatt.
    Das 6. Album geht dann noch mehr in diese Richtung. Etwas fehlt und es sind nicht die Gitarren. Ist es der mehrstimmige Gesang bei den Refrains, der einfach zu schön ist, zum Rest der Songs eigentlich gar nicht so richtig paßt? Denn es geht immer noch die Post ab. Auf jeden Fall sind es ein paar Synthesizerpassagen, die für mich ziemlich schubiduuuu klingen. Nach diesem Album habe ich von Point Blank nichts mehr gehört und gesehen.
    Ein großer Schwenk "Back to the beginning", zu Album 1 und 2, die sich stilmäßig ziemlich ähnlich sind, auch wenn das 2. schon etwas glatter ist. Es ist noch kein Keyboarder dabei und die Musik ist sehr bluesig mit Rockeinflüßen und Boogie. "Lone Star Fool" ist mein Favorit auf der Nummer 1 und "Back to the Alley" auf "Second Season". "Airplay", das 3. ist mein Lieblingsalbum, das alles enthält, was guten Southern Rock ausmacht: Vom Blues zum Boogie in allen Schattierungen.
    Diese Scheiben dürften sehr schwer zu finden sein, darum gibt es auch diesen längeren Text.

    Wie ich schreibe, war es gar nicht einfach, all diese Platten zu bekommen. Nur weil ich in den Siebzigern in der Plattenbranche gearbeitet habe, bin ich stolzer Besitzer vieler dieser Scheiben. Viele von ihnen haben ihre eigene Geschichte, ich weiß heute noch, wie ich sie entdeckt, von wem ich den Tip bekommen habe. Jede Musik hat ihre Zeit und wenn bei mir die Zeit für Southern Rock ist, dann spiele ich diese LPs rauf und runter mit der dazu absolut nötigen Laustärke.
    In den letzten Jahren sind viele der alten Alben auf CD nachgepreßt worden und mit Glück kann man sie fast alle finden. Vielleicht hast Du Lust dazu bekommen? Wenn ja, alles Gute bei der Suche und viel Spaß beim Hören.

    5. Januar 1997 + 5. März 2001

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