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M u s i k

Opern

Ich erinnere mich noch an unseren ersten Plattenspieler: Es war ein grauer Dual-Koffer, tragbar, etwa Ende der 50er-Jahre. Mit ihm hörten wir die Schallplatten unserer Mutter.

Mit den Beatles änderte sich dann alles für mich und Oper und Symphonie traten lange Jahre in den Hintergrund. Bis mir dann Mitte der 80er der Stil der neuen Rockmusik immer weniger gefiel, und ich wieder Lust auf Klassik bekam.

In den Jahren '85 und '86 begleitete ich meine Mutter fast jeden Monat in die Bayrische Staatsoper. Wir genossen sämtliche Aufführungen italienischer Opern, was in erster Linie Giuseppe Verdi hieß. Ausnahme war u. a., wie ich mich erinnere, Mosè in Egitto von Gioacchino Rossini.
Balkon, 1. Reihe Mitte, um die 100 DM, war unser Platz, wenn ich die Karten kaufte. (Der Abonnementplatz unserer Mutter war im Parkett, 14. Reihe, links.) Nur, von oben konnte ich Dirigent und Orchester sehen, was ich immer schon interessant finde. Und zentral ist der Gesamtklang am besten.

Mehr Verdi wurde in diesen beiden Jahren nicht gegeben und wir haben so einiges mehrmals gesehen, was für den Opernliebhaber nichts besonderes ist.

Meine Sammelleidenschaft hat sich in diesen Jahren den italienischen Opern zugewandt. Zuerst kaufte ich mir einen Verdi nach dem anderen, viele mit Placido Domingo, aber auch Luciano Pavarotti. Die letzteren waren häufig mit Joan Sutherland in der Sopranrolle und ihre Stimme hat mir nie so gut gefallen. (Bitte nicht schlagen!) Il Trovatore habe ich mit Rosalind Plowright, die ich in dieser Rolle auch in der Arena von Verona erlebt habe (sensationell gut), mit Franco Bonisoll als Manrico. (Die Stretta mußte er natürlich wiederholen.) Und genau diese Inszenierung wurde auch im Fernsehen (1plus oder 3-sat) gesendet und von mir aufgenommen. Sehr gut gelungen.

Als ich begann die Verdi-Opern zu kaufen, gab es die unbekannten noch nicht auf CD. Erst im Laufe der folgenden Jahre sind dann auch Opern wie I Masnadieri, La Battaglia di Legnano, Giovanna d'Arco erschienen und sofort von mir gekauft worden. Bis die Sammlung dann komplett war.

Nun war Vincenzo Bellini an der Reihe. Seine Norma (habe ich beim Donizetti-Festival in Bergamo gesehen) ist unter meinen Inselplatten. Stellvertretend: Ihr Auftritt im 1. Akt, dann Casta Diva (durch die Callas berühmt geworden), das Sopranduett - unvergleichlich schöne Musik.
Auch I Puritani gehört zu den großen Opern, I Capuletti e i Montecchi (Romeo und Julia) ist hörenswert, sowie auch Beatrice di Tenda. Il Pirata, das ich einmal in Italien im Fernsehen aufgenommen habe, habe ich wieder gelöscht. Und La Sonnambula finde ich einfach langweilig. Zu wenig Dramatik. Bellinis restliches Werk fällt dann doch ab.

Gaetano Donizetti hat wahrscheinlich mehr Opern geschrieben, als alle anderen großen Komponisten zusammen (ich übertreibe). Ich habe gelesen, daß die genaue Zahl tatsächlich nicht bekannt ist, aber es sollen mehr als sechzig sein. Ich besitze Gesamtaufnahmen von Anna Bolena, Lucia di Lammermoor, Maria Stuarda, L'Elisir d'Amore, Gemma di Vergy, Maria di Rohan, L'Esule di Roma und Poliuto. Als ich feststellte, dass die unbekannten Donizetti-Opern nicht die Qualität der bekannten erreichen, habe ich mich nicht mehr dafür interessiert.

Von den Großen fehlt nun noch last but not least Gioacchino Rossini. Hätte er nicht sehr früh seine Opernkomponisten-Karriere beendet, wer weiß, ob er Donizetti nicht den 1. Platz als Vielschreiber streitig gemacht hätte? Aber, wer den Wilhelm Tell gut kennt, versteht, dass Rossini sich nicht ständig an seinem Meisterwerk messen lassen wollte. Vielleicht wäre es ihm möglich gewesen, diese Qualität zu wiederholen?
Zum Tell gibt es diese nette Annekdote:
Rossini trifft einen Bekannten auf der Straße und dieser sagt zu ihm: "Heute abend wird der 3. Akt des Tell in der Oper gegeben." Rossini antwortet: "Der ganze 3. Akt?"
Dazu sei angemerkt: Diese Oper hat 4. Akte und dauert etwas weniger als vier Stunden, weshalb des öfteren die Balletszenen weggelassen werden.

Außer dem bereits ausführlich genannten Guglielmo Tell stehen noch im Regal:

Und nun möchte ich noch über eine weitere meiner Lieblingsopern schreiben:
Alfredo Catalani - La Wally mit der unglaublichen Arie 'Ebben? ...Ne andrò lontana', die des öfteren als Hintergrundmusik im Fernsehen zu hören ist, aber nur die Kenner wissen es. Leider hatte ich bisher nur einmal die Gelegenheit eine Aufführung auf Video von den Bregenzer Festspielen zu sehen und hören. Und diese Aufführung kann ich nicht als gelungen bezeichnen. Meine CD-Aufnahme mit Maria Tebaldi und Mario del Monaco ist da ein anderes Kaliber.
Die Musik des 1. und 2. Aktes ist etwas deftig, wunderschön und etwas ruhiger aber mit großer Spannung sind der 3. und 4. Akt mit einem phantastisch guten Finale. Es lohnt sich, diese Oper näher kennenzulernen.

Circa 50 Opern konnte ich auch auf Video aufnehmen, wie zum Teil schon erwähnt. Ein gutes Dutzend Aufnahmen stammen aus meiner Zeit in Italien. Im Sommer ist immer einer der drei Kanäle der RAI an der Reihe und überträgt vom Rossini-Festival in Pesaro, vom Maggio Musicale in Florenz, die Eröffnungsvorstellung der Scala di Milano. Oder aus Venedig (zur Zeit eher nicht), Turino, Bologna, Roma, Napoli e via dicendo.

Rossinis La Gazza Ladra und Otello, Arrigo Boitos Mefistofele mit Samuel Ramey in der Titelrolle (toll) werden wir schwerlich im Deutschen Fernsehen bewundern können.


Zu ihren Lebenszeiten wurden sie von vielen als Rivalen bezeichnet, was, wie ich meinen Büchern über Verdi entnehme, von diesem nicht so gesehen wurde. Er konnte mit der Musik Richard Wagners nicht viel anfangen. Hingegen für mich gehören Wagners Werke zu einem einmaligen Kulturgut und beide Komponisten zusammen stehen für ein Schaffen, das niemals wieder erreicht werden wird. Vor ihnen war es Wolfgang Amadeus Mozart, der durch sein Werk die Basis für alle nach ihm gekommenen, schuf. Sein Don Giovanni nimmt viel von Verdis Dramatik vorweg.

Von Wagners frühen Opern hat sich Rienzi gehalten. Ich mag diese Oper, die noch im traditionellen Stil ist, wo in der zündenden Ouvertüre die Motive der folgenden Arien und Chöre vorgestellt werden. Wie auch als Beispiel die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Freischütz, die schon für sich ein symphonisches Werk darstellt. Unsere Rienzi-Aufnahme ist ein Live-Mitschnitt von den Münchner Opernfestspielen, Nationaltheater, am 6. Juli 1983, unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch, mit René Kollo, Cheryl Studer und Jan-Hendrik Rootering.

Lohengrin, Der Fliegende Holländer sind mir lieb und teuer, Tannhäuser nicht ganz so und Tristan und Isolde vermag mich nicht zu fesseln, ganz im Gegensatz zum Ring und Parzifal. Aber besonders sind es Szenen aus dem Ring, die mich die Welt vergessen lassen.

Beispiel 1:
In Szene 4 und 5 des 2. Aufzugs der Walküre, Brünnhilde und Siegmund im Dialog (etwa 25 Minuten), wird mit leiser, sparsam gesetzter Musik, mit immer wieder leicht variierten Gesangsbögen, eine unglaubliche Spannung und Dramatik erzeugt, die dann in der folgenden Szene, Siegmunds Tod durch Hundings Speer, oder besser den Willen Odins, entladen wird.

Beispiel 2
ist aus dem 3. Aufzug der Götterdämmerung, ab Siegfrieds Trauermarsch mit der folgenden 3. Szene, dem Schluß der Tetralogie. In Brünnhildes Schlußgesang Starke Scheite schichtet mir dort und dem Orchesterfinale erklingen die Leitmotive des Gesamtwerkes noch einmal, werden zusammengefaßt, zu einem phantastischen, nicht mehr zu übertreffenden Klangteppich miteinander verwoben.

Unsere Aufnahme des Rings stammt aus der Ex-DDR, entstand von 1980 bis 1983. Mitwirkende waren Theo Adam, Peter Schreier, Siegmund Nimsgern, Matti Salminen, Yvonne Minton, Lucia Popp, Siegfried Jerusalem, Kurt Moll, Jessye Norman, Jeannine Altmeyer, Cheryl Studer, René Kollo, Hans Günther Nöcker u. a. Marek Janowski dirigierte die Staatskapelle Dresden. Mein Bruder hat sie unserer Mutter im Laufe der Jahre zu den Weihnachtsfesten geschenkt und jetzt sind sie Teil meines Erbes.

Carl Maria von Webers Freischütz habe ich schon erwähnt (ganz oben, Max erkannt?). Diese Oper kenne ich seit früher Kindheit, kann die Texte auswendig, singe mit großer Begeisterung Hat denn der Himmel mich verlassen? und andere Arien mit. Dies auch gerne in 2.000 Meter Höhe beim Bergwandern mit Murmeltieren und Steinböcken als Publikum.

Wie könnte ich den Fidelio vergessen? Beethovens einzige Oper gehört zu den meistgespielten Werken. Floristans Lobgesang auf seine Frau Leonore treibt mir die Tränen in die Augen, so schön sind die Melodien. Hätte ich diese Arie geschrieben, sie wäre dreimal so lang geworden. Grandios.

5. Januar 1997 + 5. März 2001